Globalisierung, Bedrohung oder Chance?

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"Wir leben in einer goldenen Zeit der Weltwirtschaft. Das hat es historisch noch nie gegeben. In den vergangenen 20 Jahren sind die realen Weltexporte jährlich um durchschnittlich 6,4 Prozent gestiegen, die reale Weltwirtschaftsleistung um 2,8 Prozent", eröffnete Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Leiter des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), seinen Vortrag im Wintersemester 2006/07. Unter dem Motto "Globalisierung, Bedrohung oder Chance?" hielt er ein Plädoyer für die heutige Zeit, "die beste aller Welten".

Als Gründe der Globalisierung nannte Prof. Straubhaar sinkende Transaktionskosten, erhöhte Mobilität, den Verlust des Distanzschutzes und verschärfte Konkurrenz. Dabei verwies er darauf, dass die Menschheit schon vor Jahrhunderten in einem Zeitalter der Globalisierung gelebt habe und dieses Phänomen nur im 20. Jahrhundert durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg und infolgedessen durch den Kalten Krieg unterbrochen worden sei.

"Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes hat sich der Standortwettbewerb verschärft. Europa ist nicht mehr abgeschottet, sondern muss sich ungewohnter Konkurrenz, z.B. in Asien, stellen", so Prof. Straubhaar. Ein prominentes Beispiel ist China, das zwar immer noch diktatorisch regiert werde, aber wirtschaftlich sehr wendig sei. Auf die Frage, ob der Westen sich gegen diese Konkurrenz dauerhaft wehren könne, entgegnete er: "Die Chinesen schenken uns ihre Ware. Darüber sollten wir uns freuen. Die Welt ist immer noch an hochwertiger deutscher Spitzentechnologie interessiert. Derjenige, der ausschließlich kopiert, wird nie Marktführer."

"Besitzstandswahrung ist keine probate Lösung, um den Herausforderungen der Globalisierung zu begegnen", unterstrich Prof. Straubhaar. Ganz im Gegenteil: anstatt auf "employment" fixiert zu sein, solle "employability" im Vordergrund stehen. In Dänemark und in der Schweiz setzten die Regierung bereits mit Erfolg auf dieses Konzept. "Neuer Mut ist besser als alter Perfektionismus", gab Prof. Straubhaar den Zuhörern mit auf den Weg.