Internationale Finanzkrise

„Im Prinzip gibt es alle vier Jahre eine große Finanzkrise. Allerdings war die US-Subprime-Krise 2007/08, die eine lang anhaltende internationale Finanzkrise auslöste, extrem. Insgesamt gingen 945 Milliarden US-Dollar bzw. 603 Milliarden Euro verloren“, so Dr. Mathias Werner, Leiter Market Risk Investments der HSH Nordbank und Lehrbeauftragter an der FH Kiel für Finanzierung, in seinem Vortrag im Sommersemeter 2008. Die typischen vier Phasen eines Crashes seien: Ruhe bewahren und weiter kaufen; mit Skepsis weiter kaufen; Panik bei „normalen“ Anlegern; nur noch clevere Neu-Anleger kaufen.

In der jüngsten Vergangenheit gewährten US-amerikanische Banken wenig solventen Kunden sehr viele so genannte „Subprime-Kredite“ (geschätzte Summe: mehr als 1 Billionen USD). Bei steigenden Immobilienpreisen konnten die Kunden jedoch kaum noch ihre Raten aufbringen. Dadurch gerieten die Banken selbst in Zahlungsschwierigkeiten. „Dazu muss man wissen, dass US-Amerikaner ihr Geld kaum sparen. Bei ihnen gilt das Motto: ‚Born to shop’. In den USA liegt die Sparquote bei nahezu 0 Prozent, in der Bundesrepublik bei mittlerweile 14 Prozent“, erklärte der Referent.

Mehrere große Banken fielen der Finanzkrise zum Opfer. Betroffen waren unter anderem die britische Hypothekenbank Northern Rock, die fünftgrößte US-amerikanische Investmentbank Bearn Stearns und die Sachsen LB, die von der Landesbank Baden-Württemberg übernommen wurde. Gigantische Abschreibungen mussten  unter anderem die Schweizer Bank UBS, Credit Suisse, die Bank of America, die Citigroup, die HSBC, die Commerzbank und die Deutsche Bank tätigen.

„Um einer derartigen Krise Herr zu werden, versuchen Zentralbanken wie die amerikanische ‚FED’ (Federal Reserve Bank New York) und die Europäische Zentralbank, eine größere Liquidität zu schaffen, d.h. mehr Geld in Umlauf zu bringen“, führte Dr. Werner fort. Banken benötigten selbst ausreichend Geld, um dieses in Form von Krediten verleihen und an Sparer auszahlen zu können. Laut IWF-Direktor John Lipsky nahmen Banken weltweit 235 Milliarden US-Dollar an neuem Kapital auf, aber schrieben auch 320 Milliarden US-Dollar ab, womit noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein dürfte. Außerdem senkte die ‚FED’ die Zinsen von 5,25 (Stand September 2007)  auf 2 Prozent (Stand April 2008), um das amerikanische Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Trotzdem geistere das Gespenst „Rezession“ herum.

„Anlagetechnische Gewinner der ‚Subprime-Krise’ sind Rohstoffinvestments, Rohstoffaktien und der Euro. Zu den Verlierern gehören dagegen US-Staatsanleihen, europäische Staatsanleihen, Aktien in Finanztiteln, US-Aktien und der US-Dollar“, so Dr. Werner. Als Prognose für 2010 gab er an, dass der Euro im Vergleich zum US-Dollar 1,90 wert sei, der Dow Jones bei 14.000 Punkten liege, der Dax dagegen bei 8.500 Punkten. Außerdem werde der Ölpreis nicht steigen. Allerdings räumte er ein, dass 99 Prozent aller Punktprognosen und 80 Prozent aller Rangeprognosen nicht zuträfen.