Medien und Persönlichkeitsrechte

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"Der größte Feind des Persönlichkeitsrechts ist meistens der Inhaber selbst." Mit dieser These schockierte Dr. Nicolaus Fest, stellvertretender Bild-Chefredakteur, die meisten der rund 70 Zuhörer an der FH Wedel. Im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe der Fachhochschule und des Wedeler Hochschulbundes setzte er sich mit "Medien und Persönlichkeitsrechten" auseinander. Fest, von Haus aus studierter Kunsthistoriker und Jurist, wählte dabei bewusst keine juristische Perspektive, sondern schilderte anhand von Beispielen einiger deutscher Prominenter, dass das Persönlichkeitsrecht ein immenser Wirtschaftsfaktor geworden sei. Die Fürstenfamilie der Grimaldis, die in Monaco herrscht, habe diese Bewegung angestoßen.

Ein klingender Begriff in der Medienlandschaft ist das so genannte "Caroline-Urteil". Prinzessin Caroline von Monaco hatte 1995 zunächst vor dem Landgericht München gegen den Burda-Verlag geklagt, da dessen Zeitschriften Freizeit Revue und Bunte Fotos von ihr, ihren Kindern und dem Schauspieler Vincent Lindon veröffentlicht hatte. Nachdem das Verfahren über Jahre durch mehrere Instanzen gegangen war, entschied der Europäische Gerichtshof 2004, dass durch die Veröffentlichung der Bilder das "Recht auf Achtung des Privatlebens" (Art.8 der Europäischen Menschenrechtskonvention) verletzt worden sei. Seitdem haben die Paparazzi-Fotos in den Printmedien deutlich abgenommen.

Fest berief sich jedoch mehrfach auf den Verfassungsrichter Prof. Dr. Udo di Fabio, der sich auf einer Veranstaltung des Instituts für Rundfunkrecht der Universität Köln kurz nach dieser Urteilsverkündigung vehement dafür aussprach, dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit in jedem Fall Vorrang zu gewähren. Etliche Prominente instrumentalisierten schließlich die Medien für ihre Zwecke, wie der stellvertretende Bild-Chefredakteur anhand einiger Beispiele, darunter der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer, untermauerte. "Für einen öffentlichen Vortrag bekommt er locker 50.000 €, aber möchte nicht, dass er fotografiert wird, wie er aus einer Patisserie kommt. Das ist doch ein Widerspruch: Wäre er nicht Politiker a.D., hätte er auch nicht Anspruch auf ein so hohes Honorar", erklärte Fest.

In der Abschlussdiskussion standen sich mit Dr. Fest und Christoph Schultheiss, einem Redakteur des Bildblogs, zwei alte Bekannte gegenüber. Schultheiss ging der Frage nach, inwieweit Bild sich tatsächlich an das oben erwähnte Straßburger Caroline-Urteil halte. Dazu Fest: "Wir halten uns an die etablierte Rechtsprechung, weil sie verlässlicher ist, bevor wir uns auf das außerordentlich dünne Eis des Straßburger Urteils begeben." Dies bestritt Schultheiss zwar lebhaft, aber eine Einigung erzielten die beiden Kontrahenten (natürlich) nicht.