Strompreisspirale ohne Ende? - Ansichten eines energieintensiven Betriebes

Dieses Thema beleuchtete Dr. Werner Marnette, Vorstandsvorsitzender der Norddeutschen Affinerie, dem größten Kupferproduzenten Europas, Anfang des Sommersemesters 2007 an der FH Wedel. Organisator der Veranstaltung war der Wedeler Hochschulbund e.V. Zunächst wies er darauf hin, dass Energiepreise in Deutschland traditionell sehr hoch seien. Durch die eklatante Preissteigerung habe die Volkswirtschaft im vergangenen Jahr 0,2 % an Wachstum eingebüßt.

"Strompreise entstehen nicht unter Wettbewerbsbedingungen, sondern werden an der Leipziger Strombörse EEX bestimmt", führte Marnette aus. Seiner Ansicht nach handele es sich überteuerte Preise. Außer ihm bezichtigen viele hochrangige Politiker, allen voran Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, CSU, die vier Energieriesen E.ON, Vattenfall, RWE und EnBW, Preise bewusst zu manipulieren. Dieses Oligopol teilt rund 90 Prozent der Versorgungsstrukturen unter sich auf. Aus einem Gutachten der TU Dresden im Auftrag des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) geht eine Überteuerung von 30 Prozent hervor. Daher setzt sich Glos für eine stärkere Einflussnahme des Bundeskartellamtes ein.

"In Deutschland wird im Bereich der Kernenergie nicht genügend Forschung betrieben", behauptete Marnette weiter und forderte sogar, "der beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie sollte wieder aufgehoben oder zumindest verschoben werden." Alternative Energieformen wie Windenergie und Photovoltaik kritisierte er als zu stark durch den Staat subventioniert. Seiner Ansicht nach sollten sie sich marktwirtschaftlichen Wettbewerbsbedingungen stellen.

"Die Norddeutsche Affinerie wird gemeinsam mit der Hamburger Stadtreinigung ein eigenes Kraftwerk als Joint Venture bauen, um dem Strompreisdiktat zu entfliehen", verkündete Marnette. Obwohl immer mehr Arbeitnehmer im Dienstleistungsgewerbe tätig seien, stelle die Industrie immer noch einen zentralen Stützpfeiler der Volkswirtschaft dar. "Ein Arbeitsplatz in der Industrie sichert zwei bis drei im Dienstleistungsgewerbe. Wir können uns nicht nur gegenseitig die Haare schneiden", so Marnette.