Zukunftsmärkte der Bildung - Von der wahren Bildung zur Ware Bildung

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"Leistung zeigen ist geil", so Prof. Peter Wippermann, Zukunftsforscher und Gründer des Trendbüros, über das Lebensmotto der Menschen Anfang des 21. Jahrhunderts, "in den 90ern hieß es noch 'schnell reich werden ist geil'." Auf Basis unterschiedlicher Trends, die als Anpassungsstrategien an eine sich verändernde Umwelt zu verstehen sind, erläuterte er den ökonomischen und kulturellen Wandel Anfang des 21. Jahrhunderts.

In der Wirtschaft seien Netzwerk-Ökonomie, Entstaatlichung, lebenslanges Lernen und Altersbeben Schlüsselbegriffe. Während Altbundeskanzler Helmut Kohl noch Mitte der 90er Jahre auf die Frage, was die Datenautobahn sei, geantwortet habe: "Fragen Sie doch meinen Verkehrsminister!", würden heutzutage die wirtschaftlichen Prozesse entscheidend durch Informationstechnologie geprägt. Profiteur der Netzwerkökonomie sei unter anderem die Popband "Arctic Monkeys", die nur durch Selbstmarketing im Netz erfolgreich geworden sei.

Direkte Folge der Netzwerk-Ökonomie ist laut Prof. Wippermann die Entstaatlichung, da der Staat kaum über Zugriffmöglichkeiten im Internet verfüge. "Wir sehen uns mit einer 'Konsumenten-Demokratie' konfrontiert, in der Internetportale wie Ebay den Markt zunehmend bestimmen. Die Supermarkt-Kette sieht in ihm ihren einzigen echten Konkurrenten", so Prof. Wippermann.

Diese rasanten technologischen Veränderungen machten lebenslanges Lernen unbedingt erforderlich. Die Halbwertszeit des Wissens betrage heute lediglich zwei bis fünf Jahre. Allerdings werde dies von Regierungsseite aus nicht gefördert. Nach Prof. Wippermann leide Deutschland unter einer Bildungskatastrophe, ähnlich wie in den 60er Jahren.  Im EU-weiten Vergleich stehe Deutschland, was die staatliche Förderung von Bildung betrifft, nur an elfter Stelle.

"Es entstehen immer mehr private Bildungsmarken, manche Unternehmen züchten sich ihren Nachwuchs an eigenen Universitäten, wie beispielsweise an der Volkswagen Universität", erläuterte Prof. Wippermann. Die Zukunft gehöre allerdings dem "blended learning", einer Mischung aus Präsenzveranstaltungen und e-learning.